Dein erwachsenes Kind: Wie du dein Kind heute zu dem machst, was es morgen einmal sein wird

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Wenn ein Kind kritisiert wird, lernt es zu verurteilen.

Wenn ein Kind angefeindet wird, lernt es zu kämpfen.

Wenn ein Kind verspottet wird, lernt es schüchtern zu sein.

Wenn ein Kind beschämt wird, lernt es sich schuldig zu fühlen.

Wenn ein Kind verstanden und toleriert wird, lernt es geduldig zu sein.

Wenn ein Kind ermutigt wird lernt es, sich selbst zu vertrauen.

Wenn ein Kind gelobt wird lernt es, sich selbst zu schätzen.

Wenn ein Kind gerecht behandelt wird, lernt es, gerecht zu sein.

Wenn ein Kind geborgen lebt, lernt es zu vertrauen.

Wenn ein Kind anerkannt wird, lernt es, sich selbst zu mögen.

Wenn ein Kind in Freundschaft angenommen wird, lernt es, in der Welt Liebe zu finden

Weisheit aus dem Tibet

Seit einiger Zeit beschäftigt mich die Frage wie wir unsere Kinder behandeln sollten, damit aus ihnen starke Persönlichkeiten werden, gesunde, glückliche und erfolgreiche Erwachsene. Dann bin ich auf den tibetischen Weisheitsspruch gestoßen und er hat mich sofort berührt. Mittlerweile habe ich erkannt, warum mich dieses Thema so stark beschäftigt und wichtig ist, warum ich bei meinen Kindern die Dinge anders umsetzen möchte. Es ist meine eigene Geschichte, die Muster meiner Kindheit, aus denen ich ausbrechen möchte und mein eigenes daraus resultierendes Mangelgefühl.

Wir legen in der Kindheit den Grundstein für das spätere Verhalten unserer Kinder. Wenn unsere Kinder noch Kinder sind, ist es wünschenswert, dass sie sich uns unterordnen. Wenn wir dann erwachsene Kinder haben, die sich nicht durchsetzen können, ihre Bedürfnisse nicht äußern geschweige dafür einstehen können, es anderen nur nicht sich selbst recht machen und nicht wissen, wer sie sind und was sie ausmacht, dann verstehen wir die Welt nicht mehr und fragen uns vielleicht, was wir falsch gemacht haben.

Bitte lasst eure Kinder sie selbst sein oder unterstützt sie darin, es wieder zu werden. Vertraut ihnen, dass sie wissen was ihnen gut tut und was nicht. Denn wir wissen es oft erst recht nicht. Wir sind doch so oft selbst nicht in der Lage, auf unsere innere Stimme zu hören und ihr zu vertrauen und lassen stets unseren Verstand sprechen, der uns sagt wie wir zu sein haben, damit andere und vor allem die Gesellschaft uns akzeptiert und liebt. Zu welchem Preis allerdings – zu dem, dass wir uns selbst nicht mehr lieben? Warum ist es uns so wichtig von anderen geliebt zu werden, mehr vielleicht als wir uns selbst lieben? Vielleicht weil wir in unserer Kindheit nie bedingungslose Liebe erfahren haben? Tief in unserem Herzen lieben wir Eltern unsere Kinder immer, egal was sie tun und wie sie sind. Aber zeigen wir das unseren Kindern auch, geben wir ihnen wirklich das Gefühl, dass sie so wie sie sind, ok sind?

In den meisten Fällen nicht. Wir drücken unseren Kindern tagtäglich unseren Stempel von richtig und falsch auf, kritisieren, ermahnen, verneinen und erpressen. Würden wir uns auch so unserem Partner gegenüber verhalten? Ich glaube kaum. Und zwar weil wir wissen, dass sich das nicht gut anfühlt und demütigend ist und aus Angst, die Beziehung zu riskieren. Aber warum riskieren wir tagtäglich die gute Beziehung zu unseren Kindern? Warum sind wir anscheinend in dem Glauben, dass eine Kinderseele damit besser klarkommt als ein Erwachsener? Warum ist Bevormundung bei Erwachsenen negativ behaftet, bei Kindern aber anscheinend notwendig? Der einzige Grund warum unsere Kinder dem standhalten ist, dass sie schwächer sind als wir, dass sie auf uns angewiesen sind und nichts anderes möchten als von uns geliebt zu werden. Dafür geben sie dann oft ihre Individualität und Persönlichkeit auf. Unsere Kinder können nicht wie unser Partner einfach gehen und die Beziehung beenden. Aber macht es das für unsere Kinder deshalb besser?

Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen es wichtig wenn nicht sogar lebensnotwendig ist, dass unsere Kinder auf uns hören und natürlich können und müssen Kinder viel von uns lernen, auch ihre Grenzen. Aber in ganz vielen Bereichen können wir von unseren Kindern noch so viel dazulernen. All das was wir auch schon mal in uns hatten, als wir Kind waren. Das Feinfühlige, Hellsichtige und Intuitive. Aber es wurde uns durch Erziehung und Konditionierung ausgetrieben. Und so machen wir es jetzt ganz unbewusst bei unseren Kindern, in der Annahme dass das schon richtig ist. Wir sind ja schließlich auch groß geworden und aus uns ist etwas geworden. Aber wie viele von uns sind zu glücklichen, gesunden, selbstbewussten und erfolgreichen Menschen herangewachsen? Es könnten mehr sein. Es machen sich im Moment so viele Menschen auf dem Weg, dort wieder hinzukommen und sie selbst zu sein.

Wäre es nicht ein deutlich schönerer, wenn auch nicht leichterer Weg, Prävention zu betreiben und dort anzusetzen, wo wir es noch in der Hand haben? In der Kindheit, bei der Erziehung unserer Kinder. Kinder haben noch das Intuitive in sich, sie lassen sich von ihrem Bauch, ihrem Gefühl leiten und der Freude. Gibt es einen stärkeren Antrieb als die Freude in unserem Leben? Sollte die Freude, die Liebe mit der wir etwas tun nicht über allem stehen? Wir Erwachsene sind oft gar nicht mehr in der Lage uns zu freuen, wissen manchmal gar nicht, was uns überhaupt Freude bereiten würde. Wir haben verlernt, unsere Freude wahrzunehmen und ihr nachzugehen. Freude und Spaß spielt in der heutigen Gesellschaft leider eine eher untergeordnete Rolle. Was zählt ist Erfolg, Geld, Anerkennung, Reichtum. Aber was ist mit der Anerkennung mir selbst gegenüber, meiner Selbstliebe, meinem inneren Reichtum? Zählt das gar nicht? Ist die Voraussetzung für all dieses nicht die Freude und die Liebe zu dem was man tut? Was man mit Freude macht, darin ist man gut und dann automatisch erfolgreich. Dann brauchen wir keine Motivation von außen, von Jemandem der uns sagt was und wie wir es tun müssen. Dann motivieren wir uns selbst von innen heraus.

Lasst eure Kinder entscheiden, was ihnen Freude bereitet oder unterstützt sie darin, es herauszufinden. Lasst sie ausprobieren und selbst entscheiden, in welchem Tempo und welchem Ausmaß sie sich selbst entdecken. Urteilt nicht, habt keine Ansprüche und vor allem macht euer eigenes Glück nicht von den erreichten Zielen eurer Kinder abhängig. Gebt euren Kindern nicht das Gefühl, dass sie euch glücklich machen müssen oder ihr enttäuscht seid, wenn sie nicht das tun, was ihr für richtig haltet.

Für das eigene Glück ist jeder selbst verantwortlich. Macht euch nicht abhängig von anderen und bürdet euren Kindern nicht die schwere Last auf, dass sie euch glücklich machen sollen. Wie sollen sie das schaffen, wenn ihr es selbst nicht schafft? Der Preis wäre hoch. Kinder die nicht mehr sie selbst sein dürfen.

Hört euren Kindern zu was sie zu sagen haben, nehmt ihre Gefühle ernst. Das Gefühl hat immer Recht! Es ist unser Verstand, der dagegen rebelliert und sagt, „Das geht doch nicht“, „Das darf man doch nicht“, „Das gehört sich doch nicht“, „Das bildest du dir nur ein“ usw. Glaubt nicht alles was ihr denkt! Es sind letztendlich auch nur eure eigenen Muster, Glaubenssätze und anerzogene Beschränkungen, die euch selber daran hindern, ein erfülltes Leben zu leben. Was sein darf und was nicht entscheidet nicht der andere oder die Gesellschaft, sondern immer du allein. Es ist immer unsere Betrachtungsweise die uns glücklich oder unglücklich sein lässt.

Ich möchte so wie alle Eltern für meine Kinder nur das Beste und sie auf das spätere Leben vorbreiten. Die Frage ist, auf welches Leben wir unsere Kinder vorbereiten möchten. Das wiederum hängt stark davon ab, mit welchen Augen wir das Leben sehen. Wenn wir der Meinung sind, das Leben ist hart, unfair und schenkt uns nichts, wir müssen kämpfen und wir können nicht immer tun was wir gerne möchten oder was Spaß macht, dann werden angepasste Kinder es später vielleicht leichter haben. Wenn wir uns aber bewusst machen, dass wir selbst alles in der Hand haben und erreichen können, dass das Leben uns beschenkt, wenn wir unsere Lebensaufgabe finden und sie leben, dass das Leben sich leicht anfühlen kann und nichts mit Überleben zu tun hat. Ja dann ist es ein Leben, welches angepasste Kinder wahrscheinlich niemals kennenlernen werden.

Ich möchte mittlerweile kein angepasstes Kind mehr, auch wenn es mich oft an meine Grenzen bringt und andere mich sicher nicht immer verstehen. Aber ich weiß wofür ich das alles auf mich nehme. Ich möchte, dass aus meinen Kindern selbstbewusste, sich selbst liebende, gesunde und erfolgreiche Erwachsene werden. Erwachsene die ihre Bedürfnisse kennen und sich nicht scheuen sie zu äußern, die sich selbst so annehmen wie sie sind und dadurch in der Lage sind, auch andere zu lieben. Erwachsene die authentisch und ehrlich zu sich und anderen sind und sich nicht scheuen sich so zu zeigen wie sie wirklich sind. Erwachsene die ihre Talente und Fähigkeiten kennen und lieben was sie tun. Und wenn meine Kinder dafür öfter mal ihren Willen durchsetzen müssen (warum soll ihr Wille weniger wert sein als mein eigener, vor allem wenn es um sie selbst geht), sie Dinge tun, die ich auf den ersten Blick nicht verstehe, sie nicht immer angepasst artig und lieb durch die Welt gehen und sie mir Dinge sagen, die ich vielleicht nicht hören möchte, dann nehm ich das gerne in Kauf.

Viel zu oft habe ich mich dabei erwischt, ein Verbot, ein NEIN oder eine Ermahnung auszusprechen, welches nur dazu diente, anderen gerecht zu werden. Anderen, die evt. von mir erwarten, dass ich mich meinem Kind gegenüber in einer der Gesellschaft angepassten Art verhalte. Wie oft geht es eigentlich mehr darum, dass wir Angst haben, selbst schlecht da zustehen, wenn wir unsere Kinder nicht maßregeln? Viel zu oft identifizieren wir uns mit unseren Kindern. Artiges, liebes, braves Kind bedeutet auch vernünftige, werteorientierte Eltern. Ungehorsames, wildes, aggressives Kind wirft auf die Eltern ein schlechtes Bild. Aber so schwarz / weiß ist die Realität nicht, das weiß ich mittlerweile. Daher verfolge ich meinen eigenen Weg, den kein anderer verstehen muss, denn kein anderer außer mir muss ihn gehen.

Seid stolz auf eure Kinder, sagt und zeigt es ihnen. Liebt eure Kinder nicht „nur“ für Das was sie sind: artig, gehorsam, fleißig, höflich, gut in der Schule, sondern auch für das, was sie vielleicht nicht sind: nicht immer artig, nicht gehorsam, nicht höflich, nicht gut in der Schule. Es geht nicht darum Kinder für etwas zu loben, was nicht lobenswert ist, aber wir lieben sie doch trotzdem. Wie wäre es mit einem „Ich liebe dich, auch wenn es mich gerade total ärgert, dass du …“ oder „Auch wenn ich das jetzt nicht verstehe und nicht gut finde, hab ich dich lieb.“ Oder „Auch mit der 5 in Mathe liebe ich dich und weiß du hast dein Bestes gegeben“. Liebe die bedingungslos ist, stellt keine Ansprüche oder Forderungen. Ist es nicht das, was wir alle benötigen und selbst zu wenig bekommen haben? Ist unsere größte Angst nicht die, nicht geliebt und angenommen zu werden? Besonders in Momenten wo auch wir mal was Falsches sagen, jemanden vor den Kopf stoßen, etwas tun was uns hinterher leid tut. Wie gut tut es da, zu wissen, dass der andere uns trotzdem so annimmt wie wir sind. Dass wir unsere Kinder lieben, wenn sie toll sind, das wissen sie. Lasst uns dafür sorgen, dass sie es auch wissen, wenn sie anstrengend sind, uns den Nerv rauben, uns zur Weißglut bringen.

Ich möchte nicht, dass sich meine Kinder verändern müssen, um mir zu gefallen. Sie sollen sich selbst gefallen und lernen, ihrem Gefühl zu vertrauen. Ich bin im tiefen Vertrauen darauf, dass es sich auf die Beziehung zu meinen Kindern positiv auswirken wird, wenn ich sie so lasse, wie sie sind, wie sie sein möchten, wie sie sich wohl fühlen. Dass sie einfach sie selbst sein dürfen und sich später als Erwachsener nicht erst finden müssen. Damit meine ich nicht, dass Kinder den ganzen Tag lang machen dürfen, was sie wollen oder alles bekommen was sie möchten. Und auch das 1×1 des fairen Miteinanders sollten wir Eltern vermitteln. Selbstverständlich darf niemand anderes darunter leiden oder zu Schaden kommen, weil mein Kind so sein darf wie es möchte.

Das alles unter einem Hut zu bekommen, ist kein leichter Weg und es gibt auch bei uns immer mal wieder Rückschläge und Momente des Zweifelns, des Drunter und Drübers und schließlich der Besinnung, darauf was wirklich wichtig ist. Wenn mein Sohn dann vor mir steht mit den Worten „Ich lass mich nicht erpressen!“ oder „So darfst du nicht mit mir reden!“ oder „Ich alleine darf über meinen Körper bestimmen!“, dann erkenne ich zum einen, dass ich wieder „rückfällig“ geworden bin und zum anderen, dass der Samen den ich gesät habe, das was ich meinem Sohn mit auf dem Weg geben möchte, erste Früchte trägt. Was viele Andere bestürzen würde, erfüllt mich mit Zufriedenheit, denn ich weiß, ich bin auf dem richtigen Weg.

Wenn ich an meine Kindheit zurück denke, weiß ich mittlerweile was mir gefehlt hat, was in mir noch bis heute ein Mangelgefühl erzeugt. Das ist meine Motivation, meinen Kindern einen anderen Weg zu ebnen. Und ich freue mich diesen Weg mit meinen Kindern gemeinsam zu gehen. Wir können alle voneinander lernen.

Der schönste Weg ist der gemeinsame!

In diesem Sinne, werdet euch bewusst und folgt eurem Herzen!

Eure Carina

P.S. Den Artikel könnt ihr euch jetzt auch auf youtube anhören, von mir gesprochen.

Hier geht’s zum Anhören

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